Suedwind Niederoesterreich Sued

MOTIVATIONSSCHREIBEN GRUNDTVIG BOTSCHAFTERIN

Gute Lern-Orte für politische Bildung finden

Lifelong Learning Award 2009 Presse_OTS APA_FOTOS Publikation

Mag.a Dr.in Ingrid Schwarz
Geschäftsführerin von Südwind Niederösterreich Süd, Lehrbeauftragte am Institut für Geographie und Regionalforschung an der Universität und Lehrbeauftragte an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems.

Meine Teilnahme an bisher drei Grundtvig-Lernpartnerschaften haben meine persönliche, berufliche und fachliche Laufbahn sehr geprägt.
Eines der wichtigsten Themen in der Bildungsarbeit ist für mich die Frage nach guten Lern-Orten: Wo kann Bildung stattfinden, unter welchen Bedingungen und unter welchen Voraussetzungen gut gelingen?
Es geht für mich dabei vor allem um die Schaffung von Lern-Orten, die Sicherheit, Vertrauen, Anerkennung und ein respektvolles Miteinander symbolisieren.
In welchem Lehr- und Lernumfeld können Menschen ihre Identität durch Bildung stärken, sowohl räumlich, als auch sozial? Dazu ist es notwendig, dass wir uns unserer vielfältigen Identitäten bewusst werden, als EuropäerIn, als Lehrende, als Lernende, als ÖsterreicherIn, als MitarbeiterIn, als Mitglied einer Familie, eines Freundeskreises, etc.

Das Bewusstsein über die eigene Identität, fördert auch die Bereitschaft, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, die Welt aus der Sicht anderer zu betrachten, und auch Verständnis für verschiedene Betrachtungsweisen zu bekommen. Es ist wichtig, dass wir im Rahmen von Europäischen Bildungsprojekten auch gute Lern-Orte in Europa finden, darüber forschen, reflektieren und uns austauschen.

Die Teilnahme am Grundtvig-Progamm hat genau dieses möglich gemacht. Das Projekt „Merkwürdige Welten – Europäische Versammlungskulturen für politische Bildungsprozesse“ (2001 bis 2004) war eine Suche und ein Spurenlesen nach Lern-Orten in Europa, wo versammeln sich Menschen, wo gibt es bekömmliche Bedingungen für politische Bildungsarbeit? Wir haben uns in Schweden auf die Suche nach Bibliotheken als Orte des Lernens gemacht, in Finnland, die Form des Studienzirkels studiert und in Italien, das Thema öffentliche Plätze diskutiert. Österreich hat als wichtigen Lern-Ort das akademische Wirtshaus eingebracht. Wir haben gemeinsam als Lernpartnerschaft geforscht, reflektiert und uns ausgetauscht. Entstanden ist daraus eine wunderschöne Publikation, ein Bilder- und Lesebuch, KünstlerInnen haben unser Denken und unseren Diskurs begleitetet und mitgestaltet, daraus entstanden sind Bilder, Zeichnungen und eine öffentliche Ausstellung in Österreich und in Schweden, bei beiden Eröffnungen durften wir als Grundtvig- Lernpartnerschaft dabei sein.


Die nächste Lernpartnerschaft war ein „Europäischer Studienzirkel für Frieden und Globales Lernen“ (2004 bis 2006) . Inspiriert von den bisherigen Ergebnissen und Erfahrungen aus dem Grundtvig-Projekt „Merkwürdige Welten“ haben wir als Grundtvig-Lernpartnerschaft einen Studienzirkel gestaltet. Mit PartnerInnen haben wir uns auf die Suche nach einer guten Methode gemacht, wie und wo Lernen und Lehren als partizipatives Prinzip stattfinden kann. Jede/r Lernende ist auch Lehrende, jede/r ist für den Lern-Prozess mitverantwortlich. Wir fanden auch Anforderungen für gute Lern-Orte vor: Mitbestimmung und Partizipation, Gestaltung und ein behutsames und respektvolles Miteinander. Viele Erfahrungen aus Schweden, Ungarn, der Slowakei und Österreich wurden ausgetauscht, viele Innovationen für Lernprozesse in die eignen Erwachsenenbildungsorganisationen und Universitäten hineingetragen. Wir haben uns mit der Bedeutung von Frieden und Globalem Lernen auseinandergesetzt und unser eigenes Handeln und Tun in einer europäischen Gesellschaft und in einer globalen Weltgesellschaft reflektiert. Wir haben unsere Erfahrungen von lokalem Handeln in Verbindung mit globalen Strukturen gebracht und unsere Beiträge für die Bewältigung von globalen Herausforderungen, wie Frieden, Entwicklung, Umwelt und Menschenrechte diskutiert.
Auch bei dieser Grundtvig-Lernpartnerschaft haben wir unsere Überlegungen in einer Publikation zusammengefasst: „Friedensbuch. Europäischer Studienzirkel für Frieden und Globales Lernen.“


Grundtvig-Botschafterin Mag.a Dr.in Ingrid Schwarz (Mitte)

Aktuell bin ich Partnerin in einer Grundtvig-Lernpartnerschaft zur grenzüberschreitenden Bildungsarbeit in Europa: „Cross border in community education“ (2008 bis 2010). Auch hier ist der Bezug von Bildung und guten Lern-Orten ein wichtiges Thema, wobei in dieser Lernpartnerschaft das Thema „Grenze“ in den Mittelpunkt der Betrachtungen gestellt wird. Unsere bisherigen Projekttreffen führten uns in die Niederlande, nach Irland und Österreich. In Irland haben wir bei einem Frauentreffen dabei sein dürfen, wo Frauen aus Nordirland und Frauen aus Irland die konfliktreiche Vergangenheit aufarbeiten und neue Perspektiven für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit erarbeiten. Und auch dabei ist die Reflexion der Lern-Orte wichtig: Lern-Orte, die von einem respektvolle Miteinander getragen sind, müssen gefördert werden. Dort aber wo Vermeidung, Angst, Konflikte und Hindernisse vorherrschen, diese sogenannten „Nicht-Orte“ müssen entlarvt und umgestaltet werden.

Aktuelle Projektpublikation zum Grundtvig-Projekt: Community Education Across Borders
Methods for Transcultural Learning and Cross-border Co-operation in Adult Education Grundtvig Funded Learning Partnership 2008/2010

Publication: This publication is a collection of all the Learning Partners Community and Adult Education programmes and education methodologies. It can be used as a resource for learners, tutors and programme coordinators across Europe. Also included in this publication is a list of all the participants who attended the above activities and meetings and a list of contact details for the partner organisations.

Die Grundtvig-Lernpartnerschaften sind für mich eine sehr gute Möglichkeit, Theorie und Praxis von Lernen und Lehren zu erfahren, mitzuerleben und sich dabei ständig weiterzuentwickeln.

Im Rahmen von Südwind Niederösterreich Süd arbeite ich mit zahlreichen Organisationen auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene zusammen. Wir entwickeln laufend neue Bildungsprojekte, wo die Erfahrungen aus den Grundtvig-Lernpartnerschaften und die bestehenden Netzwerke zum Tragen kommen. Auch bei meiner Tätigkeit als Lehrbeauftragte an der Universität Wien und an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems konnte ich viele Ergebnisse aus den bisherigen Grundtvig-Projekten einbringen.

Sehr gerne bin ich eine Grundtvig-Botschafterin, es ist mir eine besondere Ehre, das Programm, das für mich persönlich aber auch institutionell so viel Bereicherung gebracht hat, als Botschafterin zu begleiten.

Mag.a Dr.in Ingrid Schwarz

Nähere Information
GF Mag.a Dr.in Ingrid Schwarz
Tel.: 02622/24832
E-mail: ingrid.schwarz@oneworld.at