|
Was wir machen
Aus jedem Land wird ein im Kontext von politischer Bildung wichtiger /
typischer Lern- bzw. Begegnungsort studiert, etwa:
- In Finnland, die "week-end community"
- In Schweden, Bibliothek, Internet oder der Studienzirkel
- In Österreich, das Gasthaus
- In Italien, der öffentliche Platz
Diese Orte und Formen werden gemäß den Fragen s.o. untersucht; wissenschaftliche
Grundlagen werden besorgt, Lernende werden interviewt, Vergleiche zu den
Funktionen dieser Orte in den jeweils anderen Ländern hergestellt, ...
Weiters einigen sich die Lernpartner auf die Konzeption einer Maßnahme,
um sie dann in den eigenen Milieus umzusetzen - und eine Kartographie
des jeweiligen Umsetzungsprozesses anzufertigen. (Diese gemeinsame Maßnahme
könnte die Produktion und Präsentation einer Ausstellung zu einem europäischen
Thema unter Einbeziehung regionaler Künstler sein).
Drittens werden in jedem Land mit Lernenden und Lehrenden wahrnehmungsgeographische
Zeichnungen von sogenannten Mental maps den wichtigsten Lernorten die
sie nutzen angefertigt, um damit den sozialräumlichen Aufenthalt von in
politischen Bildungsprozessen befindlichen Bürgerinnen und Bürgern zu
beschreiben. Die Ergebnisse des mental mapping werden durch reflexive
Gespräche und narrative Interviews erweitert und in eine vergleichende
Analyse der teilnehmenden Länder eingebracht.
Der Beitrag von Südwind NÖ Süd beinhaltet eine
Recherche mit einem Workshopkonzept zur Integration von politischer Bildung
und räumlicher Identität.
ANWENDUNGSORIENTIERTER FORSCHUNGSPLAN
4 Workshopeinheiten mit integrierter Recherche mit TrainerInnen und StudentInnen
politischer Bildungsorganisationen in Schweden, Finnland, Italien und
Österreich. Die Recherche und Workshopeinheiten finden in allen teilnehmenden
Partnerländern in Verbindung mit den Projekttreffen statt.
Workshop: Auf der Suche nach Integrationsprozessen von politischer Bildung
und sozialräumlicher Identität unter besonderer Berücksichtigung des Einsatzes
"Neuer Technologien"
ERKENNTNISLEITENDE FRAGESTELLUNGEN
- Wie wirkt sich der Einsatz und die Anwendung "Neuer Technologien"
(Internet) in der politischen Bildungsarbeit auf die Entstehung von
Orten und Nichtorten aus?
- Inwieweit beeinflußt die Anwendung "Neuer Technologien" räumliche
Identitätsbildungsprozesse?
- Wie bedingen einander die Nutzung von "virtuellen Räumen" und "realen
Räumen"?
- Werden durch die verstärkte Nutzung von "virtuellen Räumen" die "realen
Räume" weniger oder mehr bedeutungsvoll?
- Kann für Menschen beispielsweise eine Bibliothek durch ausschließlich
"virtuelle Nutzung" zu einem bedeutungsvollen Ort werden oder ist immer
nur die "reale Nutzung" ein Kriterium für räumliche Identitätsbildungsprozesse?
 |
|
 |

Die PartnerInnen der internationalen Grundtvig-Lernpartnerschaft
Jukka Taino und Liisa Korhonen - KSL Helsinki,
Marco Plesnicar und Pio Paissero - Europahaus Gorizia, Hans Göttel
- Europahaus Burgenland, Brigitte Kühne - Universitätsbibliothek
Växjö (nicht im Bild) Dr. Ingrid Schwarz - Südwind
NÖ Süd,
Arbeitstreffen zu "Versammlungskultur in politischen Bildungsprozessen"
|
METHODISCHE UMSETZUNG
1. Mental Mapping
StudentInnen/TrainerInnen von Bildungsorganisationen in Schweden, Deutschland
und Österreich (siehe oben) erarbeiten Mental Maps (wahrnehmungsgeorgraphische
Zeichnungen) von ihren wichtigsten Orten, in denen sie leben und die sie
nutzen.
Diese Methode der Mental Maps ermöglicht, immaterielle Gedanken und Ideen
auf eine Karte zu bringen. Sie zeigen Lebensräume von Menschen und deren
Bewertungen.
Mental Maps sind eine Darstellung eines "inneren Raumes", eine Abbildung
der geographischen Umgebung, wie sie nur im Bewußtsein eines Menschen
existiert. Mental Maps sind eine Form, Informationen über die räumliche
Umwelt zu sammeln, zu ordnen, zu speichern, abzurufen und zu verarbeiten.
Es ist die Art und Weise, wie wir uns mit der Welt um uns herum auseinandersetzen
und wie wir sie verstehen. Mental Maps sind eine Form, Umweltwahrnehmungen
zu organisieren. Mental Maps geben die subjektive Repräsentation von erdräumlichen
Anordnungen materieller Objekte wider. In der Interpretation ist dieser
Ansatz der Verhaltenstheoretischen Geographie (behavioral geography) davon
geprägt, Menschen als denkende, fühlende Wesen zu sehen, die nach ihren
individuellen Wünschen, Vorstellungen und Wahrnehmungen entsprechend handeln.
Die Handlungssituation bildet für Menschen jeweils das Zentrum ihrer Lebenswelt.
Die Mental Maps sollen das Bezugssystem für das Verständnis und die Interpretation
der räumlichen Umwelt von TrainerInnen und StudentInnen der politischen
Bildungsorganisationen sein. Das räumliche Wissen soll aber nicht durch
Bilder sondern auch durch Worte ausgedrückt werden.
2. Reflexive Gespräche und narrative Interviews
Die Ergebnisse der Mental Maps (der wahrnehmungsgeographischen Zeichnungen)
sollen durch reflexive Gespräche und narrative Interviews erweitert werden.
Das Grundelement der narrativen Interviews ist die von Befragten frei
entwickelte, durch eine Eingangsfrage - "die erzählgenerierende Frage"
- angeregte Erzählung.
Ziel ist ein Relfexionsprozeß über die Mental Maps und eine gemeinsame
Interpretation der Ergebnisse.
3. Anwendungsorientierte Ziele
- Vergleichende Analyse der Recherchergebnisse aus den Workshopergebnissen
von Schweden, Finnland, Italien und Österreich
- Mental Mapping soll als Methode der Selbstevaluation politischer
Bildungsorgansiationen anwendungsorientert in einer Publikation (unter
Herausgeberschaft der koordinierenden Einrichtung Europahaus Burgenland)
aufbereitet und zugänglich gemacht werden
- Mental Mapping als Methode soll in die Diskussion von qualitativen
Qualitätskriterien in der politischen Bildungsarbeit Eingang finden.
|